Symptome: Früherkennung einer Dyskalkulie

Wahrnehmungsstörungen als Entwicklungsverzögerung

Dyskalkulie ist schwer erkennbar, da die Erscheinungsbilder sehr unterschiedlich sein können. Oft werden Wahrnehmungsstörungen, die im schulischen Zusammenhang sich dann als Dyskalkulie - Rechenschwäche zeigen, erst zu spät erkannt. Nämlich dann, wenn das Kind in der Schule Schwierigkeiten bekommt. In dem Symptom, dass ein Kind nicht rechnen kann, zeigen sich Entwicklungsverzögerungen, die bereits im Kleinkindalter erkennbar und förderungsfähig sind.

Mehr darüber unter "Wahrnehmung, Sensorische Integration und Wahrnehmungsstörungen"

Spätentwickler

Früher wurden entwicklungsverzögerte Kinder als „Spätentwickler“ bezeichnet. Durch die zahlreichen Alltags- und Spielerfahrungen konnten in vielen Fällen einige aufgetretene Probleme in der Zeit des Wachstums ohne Hilfe behoben werden. Unsere heutige künstliche Lebensweise, die von Reizüberflutung, Bewegungsarmut, Einengung der natürlichen Lebensräume, Verkehr und Zeitreglementierung geprägt ist, werden Wahrnehmungsstörungen noch verstärkt. 

Beobachtung

Entwicklungsverzögerungen müssen so früh wie möglich erkannt werden. Einerseits sprechen fördernde Maßnahmen am besten an, je jünger das Kind ist, andererseits ist der schulische Leistungsdruck, der die Kinder psychisch und zeitlich stark in Anspruch nimmt, im Vorschulalter noch nicht so hoch. Durch Leistungsdruck und Schulversagen besteht die Gefahr, dass sekundäre Störungen auftreten. Wichtige Hinweise erhalten Eltern und Erzieher durch die Beobachtung der motorischen Entwicklung und dem spielerischen Verhalten des Kindes. Eltern müssen sich die Frage stellen: Welche Spiele vermeidet mein Kind? Welche Fähigkeiten bräuchte es für dieses Spiel?

 Zeitwahrnehmung

  • Hat es ein Gefühl für Tageszeiten?
  • Weiß es welcher Tag / Monat ist?
  • Weiß es welche Jahreszeit ist und kleidet es sich entsprechend?
  • Kann es die Uhr lesen?
  • Hat es ein Gefühl dafür, wie lange ein Weg, eine Reise, eine Tätigkeit dauert? Wie lange eine Stunde / Minute ist?
  • Kann es seine Zeit altersentsprechend planen, einteilen?

Orientierung

  • Orientiert es sich altersentsprechend, verläuft es sich leicht?
  • Verwechselt es die Richtung?
  • Findet sich auf Arbeitsblättern (oben, unten, Rückseite) zurecht?
  • Kennt es sich in der Wohnung / im Kindergarten / in der Schule aus?
  • Kann es aufräumen (sofern es dies will)?
  • Weiß es, wo seine Sachen liegen?
  • Hat es eine Vorstellung von Entfernungen (zur Großmutter, zum Kindergarten, zum Einkaufen)? 

Spielverhalten

  • Was spielt es gerne?
  • Besonders wichtig: Welche Spiele vermeidet es?
  • Durch welche Spiele ist es überfordert? Z.B. bei Konstruktionsspielen (Lego, Fischertechnik, Bauen) oder Memory?
    • Anforderung bei Memory: Visuelles Gedächtnis,
    • Raumlageorientierung,
    • Formwahrnehmung,
    • Feinmotorik,
    • Konzentration,
    • Frustrationstoleranz,
    • Regelerfassung,
    • Sozialkompetenz

Alles Fähigkeiten, die man auch für den Mathematikunterricht benötigt.

 Alltagssituationen

  • Kann es einfache Arbeiten in Haus und Garten verrichten, z.B. Schuhe putzen, Geschirr spülen?
  • Bekommt es Arbeitsabläufe in die richtige Reihenfolge?
  • Weiß es, wo das Werkzeug zu finden ist?
  • Kann es Größen, Mengen, Geldbeträge richtig einschätzen?