Mathematik und überhaupt die ganze Bildung beginnt schon weit früher als erst in der Schule. Schon in der Säuglingszeit wird die Fähigkeit die Umwelt zu strukturieren, mathematische Prozesse zu verstehen und zu bearbeiten, angelegt. In der Kindheit werden dann wichtige mathematischen Grunderfahrungen gemacht: Was bedeutet schwer? Viel? Lang? Kurz? Tief? Dick? Unten? Und viel viel mehr.
Dieses
Kind, das so konzentriert und hingebungsvoll am Rohr rumschmiert,
macht hier im praktischen Alltagstun wichtige sensorische
Grunderfahrungen: Es erlebt und spürt was die Begriffe "rund",
"glitschig", "gekrümmt", "schaumig", "kalt", "metallisch", "hoch",
"schmierig" beinhalten, lange bevor es die Wörter dazu kennt.
Begriffe, mit denen es im Leben und Lernen umgehen wird.
Um sie aber richtig anzuwenden, eine innere Vorstellung davon zu haben, dazu müssen sie mit erlebten Sinneserfahrungen im Gehirn verknüpft sein. "Nichts ist im Geiste, was nicht zuvor in den Sinnen war."
Dafür ist die wertvolle und begrenzte Kindheitszeit da -und nicht für Fernsehen und Autofahren!
Vermutlich wachsen sich anfangs geringfügige
Entwicklungsverzögerungen und Wahrnehmungsstörungen nicht mehr wie
früher durch die vielen Alltags- und Spielerfahrungen mit der Zeit
aus. Sondern wird durch unsere heutige künstliche Lebensweise,
gekennzeichnet durch Reizüberflutung, Bewegungsarmut, Einengung der
natürlichen Lebensräume, Verkehr und Zeitreglementierung noch
zusätzlich verstärkt.
Dieses Kind sammelt besondere Steine am Strand. Es trainiert die visuelle Wahrnehmung "Figur-Grund-Wahrnehmung", die als Lernvoraussetzung so wichtig ist. Durch das Barfußlaufen auf den Steinen werden außerdem die basalen Sinne stimuliert.
Viele alte Kinderspiele haben die räumliche Wahrnehmung trainiert. Verstecken-Spiele, Abzählreime, Hüpfkästchen gehören dazu. Auch die alte "Ballschule" der (Ur)Großmütter hat sicher so manche Rechenstörung abwenden können.
Unser Leben im hochtechnisierten Zeitalter verhindert oft elementare Grunderfahrungen, z.B. auch im Bereich Raum und Zeit. So beschreibt J. Rogge in Kinder brauchen Grenzen, welche wichtige Erfahrungen allein ein ein Kind auf dem Schulweg macht (die beim Auto- oder Busfahren natürlich versäumt werden):
"Wer Wege einschränkt, begrenzt das Gehen und Stehen, das Toben und Springen, das Klettern und Balancieren. Sich bewegen und wahrnehmen, fühlen und denken gehören eng zusammen. Wer geht, läuft oder rennt, nimmt Sinneseindrücke mit dem ganzen Körper wahr. Durch Bewegen lernen Kinder sich, ihren Körper und ihre Umwelt kennen. Der Schulweg bei Regen ist ein anderer als bei praller Sonne, der Weg allein lässt andere Erfahrungen zu, als der mit Freunden. Eine Steinmauer lädt zum Balancieren ein, ein Busch, einen Zweig abzubrechen, um daraus eine Pistole zu basteln. Die geschlossene Bahnschranke fordert zu einem Wettlauf, das Davorstehen zum Verschnaufen und zum Rätseln, wohin der Zug wohl fahren mag. Die rote Ampel fordert auf, sinnvolle Regeln einzuhalten. Wege zu beschreiten heißt, Grenzen zu erleben, Widerstand zu spüren, sich abzusetzen, zu distanzieren. Sich bewegen und die Entwicklung des Ichs hängen zusammen. Wo Entfernungen gefahren und nicht mehr er-laufen, er-fahren werden können, prägt das die psychisch-motorische Befindlichkeit von Kindern"
(Jan Uwe Rogge) Bücher von Jan Uwe Rogge
Diese
fröhlichen Kinder sind dabei sich ein "Bude" zu bauen. Sie machen
dabei wertvolle Erfahrungen: Sie trainieren die räumliche
Wahrnehmung, Planen, Teamarbeit, Fingergeschicklichkeit und vieles
mehr. Besser als jedes PC Lernprogramm und lehrreiche
Fernsehsendung!
Viele Eltern meinen es so gut mit dem Nachwuchs, wenn sie ihn von Kurs zu Kurs schleppen. Dabei ist eine natürliche Erziehung viel effektiver. Wir müssen mehr auf unser Herz hören und auf die Kinder.