Mathe mit Spaß?!?

Ziel ist der Paradigmenwechsel (Gesinnungswechsel) von "Mathe ist doof" zu "Mathe macht Spaß"

 Was meinen Sie? Ein zu hoher Anspruch? Ein überflüssiger Anspruch? Neulich war ich auf einer Fortbildung zur LRS Förderung. Die Referentin sagte, LRS Förderung müsste keinen Spaß machen. Sie wäre eben notwendig (und damit basta?). Da bin ich anderer Meinung. Ich weiß, was mich nicht  interessiert, kann ich auch schlecht begreifen und verinnerlichen.

Lieber tot sein, als Mathe machen?

Ein großer Teil der Kinder, die im heilpädagogischen Lernstudio behandelt werden, hat schon seelischen Schaden durch sein Handicap erlitten, bzw. ist gefährdet. Ein Kind äußerte sogar, dass es "lieber tot sein wollte, als Mathe machen!" Daher muss hier ein ganz anderer Zugang gefunden werden, der nicht an Schule und Unterricht erinnert.

 
Mit wertvollen ästhetischen Mathematik-Materialien die Quadratzahlen und Kubikzahlen errechnen, es sich dabei gemütlich machen, da kommt Freude auf.  Einmaleinsreihen, in Schritten zählen und andere Übungen kann man auch auf einem Trampolin durchführen. Die körperliche Bewegung dabei fördert die Konzentration und macht Spaß. Auch hyperaktive Kinder kommen so auf ihre Kosten.  

Das „latente Lernen“ (verborgenes Curriculum) hat mehr Einfluss als man denkt

In der Montessori-Pädagogik spricht man vom "Absorbierenden Geist". Gemeint ist damit der Geist der frühen Kindheit und das unbewusste Lernen.  Dieses „latente Lernen“ (verborgenes Curriculum) hat mehr Einfluss als man denkt, auch noch bei Erwachsenen. Krasses Beispiel: Gehen Sie zu einem Mercedeshaus. Man fühlt sich wie in einem Tempel, alles weit, großzügig, alles vom Feinsten und gediegen. An den Wänden sind die Farbproben übersichtlich und ausgehängt. Die Broschüren sind in guter Grafik und bester Qualität. Man atmet schon tief durch und weiß, dass es hier was ganz besonderes gibt, schon bevor man das erste Auto gesehen hat.

 
Wenn schon sitzen und schreiben, dann auf einem Hängestuhl. Das leichte Schaukeln stimuliert das Gleichgewichtssystem, das die "Schmiere" für das Gehirn ist.  Hier werden Teilaufgaben gerechnet. auf einem frischen Teppich mit handlichen Marken die Ergebnisse ausgelegt. Macht mehr Spaß als am Tisch die lieblosen Arbeitsblätter.   

Anders wenn man in manche Schulen oder Universitäten reinkommt. Versiffte Wände und Toiletten, zerrupfte unvollständige Materialien, schlecht zu lesende billige Kopien, oft noch verkleinert, damit mehr aufs Blatt passt. Mit den Ohren kann man vernehmen was Politiker, Eltern und Lehrer den Kindern einzuschärfen versuchen: "Bildung ist wichtig und wertvoll und notwendig." Aber mit dem "absorbierenden Geist" nehmen wir genau das Gegenteil auf: "Bildung ist unwichtig, billig, schäbig und wertlos." Und dann wundern sich die Macher, wenn das unbewusste Lernen Früchte tragt!

Das heißt übrigens nicht, dass Kinder immer gerne kommen würden. Denn welches Kind opfert freiwillig einen freien Nachmittag. Manchmal sind Kinder müde oder würden lieber spielen oder sich verabreden. Da wird schon gequengelt und die Eltern denken dann es vielleicht an der Förderstunde liegt . Um zu beurteilen, ob das Kind sich wohlfühlt, Spaß an der Förderung hat,  müssen Sie drauf achten, wie das Kind aus der Förderstunde herauskommt. Ist es da erfüllt und fröhlich? Dann tut es ihm gut.

Ausstattung der Lernwerkstatt

Durch die Möglichkeit des indirekte Lernens ergeben sich vielfältige und hilfreiche Ansätze: Zunächst muss jegliche schulische Situation vermieden werden: Die Kinder brauchen nicht am Tisch zu sitzen, sondern dürfen in der Hängematte, im Bällchenbad, im Schaukelstuhl lernen. Schreiben dürfen sie auf der Magnettafel, iPad, Magnetschiebetafel oder in der Sandkiste. Oder mit dem Klemmbrett am Boden oder in der Hängematte. Statt langweiliger, aus Sparsamkeitsgründen in winziger Schriftgröße schlechtkopierten Arbeitsblättern erhalten sie schöne, ästhetische Materialien mit ansprechende Aufgabenkarten. Für das Erfassen der Brüche kann mit Obst oder Schokolade experimentieren.

Wichtig sind gepflegte, schöne, helle, freundliche Räume. Dazu gehört eine angenehme Möblierung und Bewegungsausstattung und hochwertige Materialien. Coole Details wie attraktive Schreibgeräte, Zettelhalter, Knibbelfiguren und geeignete Spiele

   
Dieser Junge knabbert beim Schreiben und Nachdenken saure Apfelstückchen aus dem Garten. Eine Stimulation im Mund fördert die Konzentration und ist spannungsabbauend (besser sich rechtzeitig an Apfelknabbern gewöhnen, als später ans Zigaretten rauchen um Spannungen abzureagieren) Auch geeignete Lernsoftware ist motivationsfördernd. Gemütlich auf dem Teppich liegend macht das Arbeiten damit doppelt Spaß.

Der Therapeut muss selber begeistert sein von Mathematik

Lernen muss unbedingt in einer emotional positiven Arbeitsatmosphäre stattfinden. Der Pädagoge soll fröhlich sein und von der Sache die er beibringen soll und Methode selber begeistert sein. Den Kindern werden bei langweiligeren Übungen (abschreiben) Apfelstückchen, Kaugummis und Getränke angeboten. Kind soll sich wohl und angenommen fühlten, es soll unbewusst merken, die freuen sich auf mich und arbeiten gern mit mir.

   
Beim schönsten Sommerwetter lernen? Dann sind wir wir draußen, planschen mit Wasser und machen dabei Experimente mit geometrischen Körpern und deren Volumen. Und wie konzentriert er arbeitet!   Zwischendurch wird durch Stimulation der Basissinne aufgetankt. Links sieht man den Sandkasten in dem auch gearbeitet oder geschrieben werden kann.  

Nicht die Defizite suchen, sondern beim Können ansetzen

Wenn die Kinder zur Förderung kommen, habe sie schon eine ganze Reihe frustrierender, defizitorientierter Tests hinter sich und sind entsprechend verängstigt. Daher liegt am Anfang der Schwerpunkt auf dem, herauszufinden was ihre Gaben sind und was sie können. In der Mathematik wird ganz unten begonnen und sich dann schrittweise in höhere Gefilde gewagt.

 

So erlebt das Kind oft erstmals „Lernen macht Spaß“. Durch die Individualisierung des Lernens und mit dem auf die Fähigkeit und Lernbedürfnisse des Kindes abgestuften Material erfährt es: „Ich kann etwas!“

Daher finde ich auch, zumindest anfangs, Einzelförderung geeigneter. Auch wenn es zwei grottenschlechte Rechner sind, einer ist doch der erste und der andere wieder hinterher. Nein, die Kinder sollen Ruhe haben und offen fragen können, wenn sie die Zusammenhänge nicht verstehen. 

 
Dieses Mädchen erarbeitet sich ganz konzentriert das Dezimalsystem. Keine "schnoddeligen" Arbeitsblätter, sondern schöne, wertvolle, gern anzufassende Materialen vermitteln ihm unbewusst "Bildung ist kostbar, fässt sich gut an, interessant." 

Es wäre schön, wenn eine solche Lernwerkstatt an jede Grundschule angegliedert wäre, damit alle Kinder, die es benötigen eine solche Förderung (und den "Gesinnungswechsel") erhalten. Denn gerade Kinder aus schlechten und problematischen Familienverhältnissen können sich nur aus Bildung selber etwas aufbauen. 

 

Einen praktischen Bezug zum Leben finden

Dies ist ein Montessori Divisionsbrett. Das Kind kann die Rechenoperationen konkret durchführen. In der oberen Reihe stehen die Teiler, die Kugeln werden gleichmäßig und gerecht verteilt. Das Ergebnis ist, was je einer erhält.

 
Ein Junge in Ferientherapie las gerade das Buch "Die Meuterei auf der Bounty". Da stritten die sich wohl um Kokosnüsse und Kürbisse. Er rechnete die ganze Zeit mit Begeisterung: Die Teiler waren die Matrosen und die Kugeln die Kokosnüsse und Kürbisse, die gerecht an die Mannschaft verteilt werden mussten. Als seine Mutter anrief ob er auch tüchtig lernt, meinte er: "Ach, ich spiele da immer".    

 

 

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