Schule und Lehrerkontakte

Im eigenen Tempo lernen

Wenn die Lücken sehr grundlegend sind, lassen diese sich nicht einfach durch eine Klassenwiederholung beheben. Am sinnvollsten wäre es, das Kind eine Zeitlang aus dem normalen Mathematikunterricht herauszunehmen und in gezieltem heilpädagogischem Einzelunterricht zu fördern. In dieser Zeit sollte auf eine Erteilung von Noten in diesem Fach verzichtet werden.

Ein Mädchen hat die dritte Klasse vollendet, aber im Rechnen keinerlei Fertigkeiten erworben. Die Eltern wollten sie die dritte Klasse wiederholen lassen. Aber nicht mal da kam sie mit. Wir vereinbarten mit der Schule, dass sie vom Lehrstoffplan befreit wird und wir ganz unten neu anfangen konnten. Sie durfte also jetzt im Regelunterricht und als Hausaufgabe ein Mathebuch der zweiten Klasse bearbeiten. Alles was sie nicht verstand holten wir in Einzeltherapie mit geeignetem Montessorimaterial nach. Sie wurde dann einige Jahre schulisch von uns begleitet. Hat dann Fachabitur gemacht und ist heute am studieren.

In Erwägung ziehen könnte man, den nach der heutigen Gesetzgebung möglichen, sonderpädagogischen Förderbedarf zu ermitteln, dem nicht mehr das Stigma der Aussonderung in eine Lernbehindertenschule anhaftet. Mit dieser Maßnahmen könnten optimale Lernbedingungen geschaffen werden.

Lernwerkstatt

Eine Lernwerkstatt sollte hell, gemütlich und mit guten wertvollen Materialien ausgestattet sein. Und möglichst wenig an Schule und Unterricht erinnern.

Die erforderlichen Maßnahmen nur außerschulisch durchzuführen, hieße sie ausschließlich auf den Nachmittag, das Wochenende oder die Ferien zu verschieben. Dies halte ich für problematisch. Denn diese Kinder sind durch Therapien, schulische Überforderung und langsameres Arbeiten bereits zeitlich stark belastet. Und wie wichtig Spielen und Alltagsaufgaben sind,  habe ich an anderer Stelle erläutert.  Am besten wäre eine heilpädagogische Lernwerkstatt innerhalb der Schule. Wohlgemerkt, eine eigene Werkstatt, keine Nachhilfe im Klassenzimmer! Warum nicht? Hier die Begründung.

Auslegen und Lernen des Einmaleins
                           

Lernbesonderheiten beachten

J.H. Lorenz schreibt von "Passungsproblemen zwischen dem Unterricht und den Lernbesonderheiten des Kindes" und appelliert an die Lehrer "die individuellen Besonderheiten des Kindes wahrzunehmen und sie in einer produktiven Weise in den Unterricht zu integrieren" und mehr zu differenzieren und zu individualisieren.

Es bedarf also einer Balance zwischen den Lernbesonderheiten des Kindes und den Ansprüchen der Schule. Beispielsweise sind manche Bücher und Arbeitsblätter wegen mangelnder Klarheit für diese Kinder ungeeignet. Auch genügt es nicht, wenn in der Schule nur demonstriert oder auf Bildern der Vorgang erklärt wird. Sie sind über längere Zeit darauf angewiesen ist, mit konkretem Material zu arbeiten.

Auch kann im Frontalunterricht und genormten Lernzielen schwer auf das individuelle Verstehenstempo des Kindes eingegangen werden. Prof. H.-J. Schmutzler drückte es in meiner Montessori-Ausbildung  drastisch aus: "Der Lehrer ballert los, den einen hat es getroffen, den anderen gestreift, der dritte hat den Schuss nicht mal gehört.

Im Montessorikonzept sieht es anders aus. Es gibt statt Zeugnis ein Pensenbuch, eine Art Curriculum, was ein Kind in Mathe lernen soll. Zu jedem Bereich gibt es entsprechendes Material in verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Abstufungen vom Konkreten zum Abstrakten.  Das Kind darf sich solange an der einen Stufe aufhalten, bis es sie beherrscht und geht erst dann weiter. Da die Klassen altersgemischt sind ist auch das frustrierende Vergleichen nicht gegeben. Es gibt immer Schüler, die dahinter und welche die weiter sind.    

Loben und Tadeln

Gelobt werden soll nicht die Leistung, sondern die Anstrengung. Der eine schafft die   Schule spielend, macht die Hausaufgaben mal eben so nebenbei und hat viel Freizeit und noch mehr Anerkennung in der Schule.

Der andere tut sich so schwer und lernt und lernt. Wenig Freizeit und Spielen um überhaupt durchzukommen. Und dann doch nur eine mäßige Note. Auszüge aus einem Gedicht, das meine Tochter geschrieben hat:

...
Der Lehrer machte Unterricht,
doch unser Has' verstand es nicht.
Zu Hause lernt der Hase viel.
Hat keine Zeit für's Fangenspiel.
Er hört im Hof die andern schrein.
Und er sitzt hier und lernt allein.
Er sieht hinaus, sie stehn im Kreise.
Zwei Tränen rollen still und leise,
denn schon zum vierhundertsten Mal
lernt er den Körperbau vom Wal.
Der Test über das Wassertier,
wird garantiert nur eine Vier.
...   Miriam Ludewig

Absprache der Methode

So toll auch die Materialien und Methoden des Therapeuten sind, das Kind soll ja nicht noch weiter verwirrt werden, sondern in der Schule den Anschluss finden. Daher sollte sich vom Lehrer dessen Vorgehensweise und Notierungen erklären lassen, bzw. das Schulbuch des Kindes genau studieren.

Trotzdem gehe ich manchmal auch andere Wege, z.B. mit dem Divisions-Montessori Material, verknüpfe das dann aber mit der in der Schule vorgeschriebenen Notierungsweise.