Dazu gehört die Fähigkeit sich Arbeitsschritte vorstellen und im Gedächtnis behalten. (Z.B. einen Text abschreiben und anschließend alle Verben rot, die Adjektive blau, Nomen grün unterstreichen). Auch Handlungsabläufe wie den Frühstückstisch zu decken oder Schuhe putzen fällt schwer. Ebenfalls die Hausaufgaben zu planen, strukturieren, den arbeitsmäßigen und zeitmäßigen Umfang einzuschätzen und durchzuführen.
Durch mangelnde Strukturierungs- und Ordnungsfähigkeiten müssen Kinder sich zu viele Einzelheiten merken, wodurch das Gedächtnis überfordert wird.
Beispiel:
Die Lehrerin hat ein "R" an die Tafel gemalt und die Kinder sollen
es nachzeichnen. Kennzeichen ist
Viele Kinder haben Schwierigkeiten sich räumlich zu orientieren. Sie finden beispielsweise in der Schule den Kunstraum nicht wieder, verlaufen sich leicht. Diese Orientierungsschwierigkeiten können sich aber auch darin zeigen, dass Kinder nicht in der Lage sind eine Seite in einem Buch zu finden, die Struktur eines Arbeitsblattes zu durchschauen, Handlungsanweisungen zu verstehen oder komplexe Situationen zu erfassen. Manche wissen nicht die Jahreszeit, den Monat und überhaupt das Datum.
Einige Beispiele:
Zeitorientierung
S. ist am Sonntagmorgen aufgewacht, sitzt im Bett und liest. Als die Mutter ins Zimmer kommt fragt sie: "Darf ich noch etwas aufbleiben?" Sie denkt, es wäre Abend.
Rechts-Links-Orientierung, Erfassen einer Arbeitsaufgabe
Die Lehrerin schreibt für einen kleinen Test Matheaufgaben an die Tafel, leichte Aufgaben (Plusrechnung) links, schwere Aufgaben (Minusrechnung) rechts. Die Kinder dürfen sich aussuchen, welche sie abschreiben und rechnen wollen. A. (9.J.) nimmt sich vor, die leichten Plusaufgaben zu lösen, schreibt aber die Minusaufgaben der rechten Seite ab. Dafür rechnet sie diese aber in Plus. Obwohl sie alle Aufgaben rechnerisch richtig löst erhält sie keine Punkte, bedingt durch ihre Orientierungsstörung.
Raumorientierung
Nach einem Sitzplatzwechsel innerhalb des Klassenraumes ist M. tagelang desorientiert. Sie hat keine Vorstellung wo und mit wem sie zusammensitzt.
Raumorientierung, Erfassen einer Situation
Die Mutter will mit A. (10.J.) zum Hausarzt, der im Ortskern des Dorfes wohnt, wo auch der Supermarkt, Sparkasse usw. ist. A. war schon oft da. Nach dem Aussteigen aus dem Auto, sieht die Mutter, dass sie nochmals etwas besser einparken muss. Sie deutet auf das Haus des Arztes, dessen Eingang jedoch von einem Laster verdeckt wird. Sie bittet A. sie solle schon mal hineingehen, weil sie nochmals zum Auto zurück müsste. Als die Mutter zum Arzt kommt, ist A. jedoch nicht da. Später findet sie sie verstört und weinend eine Straße weiter. Sie hatte die Situation, dass sie nur vorgehen sollte, nicht verstanden. Sie meinte, sie sollte alleine zum Arzt. Da die Sicht auf die Eingangstüre von einem Laster verstellt war, erkannte sie das Haus jedoch nicht. Jemanden zu fragen traute sie sich auch nicht, da sie nicht wusste, ob sie nun zu Dr. G. dem Hausarzt, oder vielleicht zu Dr. W. dem Kinderarzt gehen sollte. (Es konnte aber nur Dr. G. in Frage kommen, denn der Kinderarzt Dr. W. wohnt in der nahen Kleinstadt.)
Orientierung, Merkfähigkeit
A. (9 J.) soll lernen selbständig einzukaufen, zunächst Briefmarken auf der Post. Zuhause gibt ihr die Mutter das Geld im Umhängebeutel. A. hängt ihn um und zieht den Anorak darauf. Dann fahren sie zum Ortskern. Die Mutter deutet auf die Post und gibt A. einen Zettel in die Hand, auf dem vermerkt ist, welche Briefmarken sie kaufen soll. Als A. losgehen will, erschrickt sie, wühlt in den Anoraktaschen und sucht das Geld. Die Mutter zeigt ihr die Umhängetasche unter dem Anorak. A. geht zur Post. An der Tür angekommen, dreht sie sich zur Mutter um und macht eine fragende Fingerbewegung nach Geld. Die Mutter macht ihr ein Zeichen, dass sie es doch umhängen hätte. Sie geht hinein und stellt sich in die Warteschlange. Als sie an der Reihe ist wird sie verlegen und läuft weg und fragt ihre Mutter: "Wovon soll ich eigentlich die Briefmarken bezahlen?"
Erfassen der Situation, Zeitorientierung
Die Familie fährt zum Camping. Nach langer Fahrt, Hitze und Stau bauen sie die Zelte auf. Kaum sind sie fertig, bricht ein fürchterlicher Sturm los, der den ganzen Zeltplatz verwüstet. Alles ist verschlammt, kaputt und nass. Der Urlaub muss wieder abgebrochen werden. Während die Eltern ihre Siebensachen wieder einpacken, suhlen sich die Kinder im knietiefen Schlamm. Als alle erschöpft schließlich wieder im Auto sitzen meint A. (9J.): "Das war der schönste Urlaub, den wir je gehabt haben."
Die analoge Uhr mit Ihrem Ziffernblatt zu lernen macht besonders große Mühe und das Kind kommt erst in höherem Alter damit zurecht. Na ja, heute kann man das ja vertuschen durch die Digitaluhr.
Räumliche Wahrnehmungs- und Orientierungsschwäche kann Ursache einer bestimmten Ausprägung von Lese-Rechtschreibschwäche sein. Es werden zwar nicht die typischen Hördiskriminationsfehler, wie bei der zentralen Fehlhörigkeit gemacht, aber durch die Strukturierungsschwäche und mangelnde visuelle Merkfähigkeit können z.B. Wortbilder schlecht als Ganzes wahrgenommen und als solche gespeichert werden.
Mit anderen Worten: Die meisten LRS Schüler haben Probleme mit der Rechtschreibung, weil sie die einzelnen Laute nicht so gut unterscheiden können. Sie hören bei "warm" das "r" nicht, oder können lange und kurze Selbstlaute nicht so gut unterscheiden wie bei "Schal" - "Schall". Das braucht man um zu wissen, ob es mit einem oder zwei "l" geschrieben wird. Das Kind mit Raum-Lage Schwierigkeiten hat eher Probleme mit Buchstabenverdrehungen b-p-d-q oder kann sich die Wortumrisse nicht merken. Siehe Beispiel:
Welches Schema (Wortbild) gehört zu "Igel"? Das obere ist
richtig, das "g" hat eine Unterlänge.


Lesen lernen (Lautieren) fällt häufig nicht so schwer wie das
sinnerfassende Lesen. Ist noch die Merkfähigkeit beeinträchtigt, so
weiß das Kind oft beim nächsten Absatz nicht mehr, was im
vorangegangenen gestanden hat. Ursache ist hier vermutlich die
mangelnde visuelle Vorstellungskraft. Auch hier ist die
Wortbildschwäche hinderlich für das automatisierte Lesen.
In vielen Fällen ist die soziale Wahrnehmung beeinträchtigt. Soziale Signale (Gesichtsausdruck, Haltung) werden nicht ausreichend wahrgenommen und gedeutet. Es bereitet dem Kind manchmal Schwierigkeiten, Menschen wiederzuerkennen, da es sich nur einzelne Merkmale eingeprägt hat, ohne ein Gesamtbild zu erstellen. Sind dies zudem wechselnde Merkmale, wie Kleidung oder Frisur ist ein Wiedererkennen erschwert.
Beispiele:
Ein Mädchen stand in der Pause oft alleine da. Jedoch nicht, weil es keine Freunde hatte, sondern es brauchte länger um seine Sachen nach der Stunde zu ordnen, seinen Anorak zu finden usw. Dadurch kam es immer etwas später auf den Schulhof. Nun hatte es Schwierigkeiten, die nun in Anoraks und Mützen anders aussehenden, herumlaufenden Klassenkameraden unter den vielen Kindern im Schulhof herauszufinden. Durch die Strukturierungsschwäche merkte sie sich die Menschen an auffälligen Einzelheiten (Pullover, Nase) und nicht an der Gesamterscheinung.
In einer gravierender Ausprägung habe ich es so erlebt, dass das Kind Schwierigkeiten hatte "Freund und Feind" ausreichend zu unterscheiden. Wenn Körpersignale (Verziehen des Mundes, Haltung) nicht ausreichend wahrgenommen werden, bzw. sich nicht bildlich in Erinnerung gerufen werden können und allgemein noch die Merkfähigkeit beeinträchtigt ist, dann nimmt das Kind zwar die augenblickliche Situation wahr, kann sie aber nicht in den Zusammenhang vorangegangener Situationen einordnen.